Trauma und alte Erfahrungen

Was ist ein Trauma und warum hält es uns in der Vergangenheit fest?

Was ist ein Trauma?

Das Wort „Trauma“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Wunde“. Es gibt physische und psychische Traumata. Ebenso große und kleine Traumata.

Ich persönlich mag die Erklärung, was ein Trauma ist, von Mike Hellwig gern und halte mich hier an ihn. Er sagt, Trauma ist ein Vorgang, in dem unser System den Halt verliert. Wir erfahren etwas – oft als Kind – das für uns so überwältigend ist, sich so schlimm und lebensbedrohlich anfühlt, dass unser Nervensystem ein Notfallprogramm startet.

Die Empfindung wird eingefroren, im Körper zwischengelagert und als emotionales Sperrgebiet markiert: Betreten verboten! In die Nähe kommen auch! Das alles geschieht automatisch, um unser psychisches Überleben zu retten.

Ausgelöst wird dieser psychisch-neurogene Schock durch ein schlimmes einzelnes Ereignis, das den (jungen) Menschen unerwartet trifft oder die Wiederholung eines Ereignisses, wie z. B. körperliche oder emotionale Gewalt in der Familie. Wichtig dabei ist das Empfinden, dass das psychische Überleben nicht mehr gewährleistet ist. Das kann z.B. dadurch ausgelöst werden, dass bei einem Unfall ein Elternteil stirbt, aber genauso durch ein abruptes, brutales Entziehen von Aufmerksamkeit.

Entscheidend dabei ist, dass der Mensch sich in der Situation alleingelassen fühlt und totale Hilflosigkeit erlebt. Viele Traumata könnten nach Hellwig wahrscheinlich verhindert werden, wenn in der gleichen Situation jemand da wäre, der Sicherheit und Begleitung gibt, sodass die Empfindungen im Körper erlaubt und gespürt werden können. Sie müssten dann nicht eingekapselt werden. Zentral ist also die Erfahrung des Alleingelassen-Seins.

Mögliche Folgen eines Traumas

„Das darf nie wieder passieren!“, sagt unser System klar.

Der Zaun, der um das Erlebnis gebaut wird, schenkt uns das Gefühl von Sicherheit. Wir merken uns die Situation, die wir nicht bewältigen konnten und die Sinneserfahrungen, die wir dabei erlebt haben, genau. Um Sicherheit zu gewährleisten, umschiffen wir später im Leben Situationen, die uns auch nur in die Nähe des Gefühls bringen könnten, das wir damals erlebt haben.

Wenn ein Erlebnis, das wir heute haben, uns daran erinnert, vielleicht auch ein Geruch oder Geschmack, schlägt das System Alarm. Eine Art Notprogramm wird dann automatisch abgespult. Dabei verlieren wir die Optionen, die uns normalerweise als Erwachsene zur Verfügung stehen, um mit einer Situation umzugehen.

Es gibt nur noch eine einzige Option zu reagieren. Diese eine Option hat uns damals gerettet. So fühlen wir uns, wenn wir gerade in einem kleinen oder auch schwerwiegendem Muster sind. Oft ist es ein Gefühl, als seien wir in einem Tunnel. Es gibt keine Türen nach rechts oder links und wir haben nur eine Möglichkeit zu handeln und zu sprechen, auch wenn wir es eigentlich anders möchten.

In vielen Muster verwandeln wir uns emotional gewissermaßen in das Kind oder den jüngeren Menschen, dem etwas geschehen ist, was ihn sehr überfordert hat und womit er sich alleingelassen gefühlt hat.

Ob nach einem belastenden Ereignis eine psychische Problematik (sog. Traumafolgestörung) bei einem Menschen entsteht, ist individuell. Die soziale Unterstützung durch z.B. die Familie oder Freunde können einen großen positiven Einfluss darauf haben.

Die Arbeit mit Trauma: Ein Beispiel aus meiner Praxis

Es klingt vielleicht erst mal befremdlich, aber mir ist es sehr wichtig, den Blick nicht nur auf das belastende Muster zu legen. Meine Erfahrung ist, dass jeder Mensch in einer belastenden Zeit Potenziale in sich entdeckt, die er vorher nicht kannte. Wahrscheinlich hast auch Du Stärken und Fähigkeiten entwickelt, die erstaunlich und von echter Schönheit sind. Mir geht es darum, sich ihrer bewusst zu werden. Sie zu schätzen und in Ehren zu halten. Mit ihnen haben wir oft ein Trumpf in der Hand.

Trauma: Von der Vergangenheit bis heute

Mal angenommen, Deine Eltern haben Dich ab und an bestraft und Du konntest einfach nicht verstehen, wieso. Du fühltest Dich dann nicht in Sicherheit und beschützt, sondern hast Dich abgewiesen und allein gefühlt. Vielleicht hast Du ihnen irgendwann nicht mehr so richtig getraut und Du fühltest Dich oft auf der Hut. Angst war ein Gefühl, das Du gut kanntest und dann hat sich immer Dein Bauch zusammengezogen und Du warst voller innerer Anspannung.

Wenn Deine Eltern wieder gestritten haben, wusstest Du nicht, was danach passiert.

Du konntest lieb sein, wütend werden oder weinen, alles hat nichts gebracht. Du hattest keine Kontrolle über die Situation und hattest einfach Angst und Dich innerlich wie gelähmt gefühlt. Als Kind warst Du einfach komplett machtlos. Und vielleicht hast Du Dir geschworen, nie wieder jemandem zu trauen.

Heute ist Dein Leben eigentlich sicher. Du bist erwachsen, kannst Deine Entscheidungen frei treffen, verdienst Deinen Lebensunterhalt selbst und hast Menschen um Dich herum, die Dich lieben und wertschätzen.

Und doch ist da diese Angst davor, abgelehnt zu werden. Eigentlich ist sie Dein ständiger Begleiter und in bestimmten Situationen schießt sie richtig hoch. Auch zu vertrauen ist schwer für Dich. Anderen Menschen, aber auch Dir selbst. Selbst wenn Du möchtest, es geht einfach nicht. Du hast Dir einen Schutzpanzer zugelegt. Er lässt einfach nicht los. Auch nicht in Situationen, in denen er das eigentlich könnte.

Die Schutzmechanismen aus Deiner Kindheit stehen Dir heute im Weg: Du kannst nicht vertrauen. Du behältst besser die Kontrolle. Du hast Angst vor Ablehnung. So stellt Dein System sicher, dass Dir nie wieder etwas so Schlimmes passiert wie damals.

  • Es kann sein, dass es Dir heute schwerfällt, Deine Bedürfnisse wahrzunehmen, weil früher Deine Eltern nicht gut für Dich gesorgt haben.

  • Oder es ist schwierig für Dich „Nein“ zu sagen und Du tust manchmal Dinge, die gar nicht richtig stimmig für Dich sind.

  • Womöglich arbeitest Du mehr, als Dir guttut, weil die Unruhe Dich antreibt.

Weil die innere Anspannung, Unruhe und Angst vor Ablehnung oft da ist, könnte es sein, dass Du häufiger Nacken- oder Kopfschmerzen hast, einen Druck in der Brust und engen Solarplexus (ein Nervengeflecht im Bauch). Vielleicht kennst Du auch das Gefühl, Dich abends erschöpft zu fühlen, obwohl Du eigentlich gar keinen anstrengenden Tag hattest. Das kann daran liegen, dass die ständige, in der Regel unbewusste Anspannung dazu führt, den gesamten Energie- und Körperflow zu drosseln und es den Körper viel Energie kostet, z.B. das Blut, Nährstoffe und Hormone durch die Anspannungen hindurchzudrücken.

Wenn Du zu mir kommst, lernst Du wahrzunehmen, wie und wann sich Dein Körper automatisch anspannt, mit der Idee einen Schutz herzustellen. Du lernst zu spüren, in welchen Situation Dein Körper immer anspannt: Vielleicht wenn Dein Chef Dich kritisiert, wenn Du Dich überfordert fühlst oder Du einen Konflikt mit Deinem Partner/Deiner Partnerin hast. Und auch wie und wo er sich anspannt: Vielleicht wird der Brustkorb enger und zieht Du Schultern zusammen oder der Solarplexus wird eng und Du aufhörst zu atmen.

Als Kind hat diese Anspannung für uns ein Gefühl von Sicherheit und Schutz hergestellt. Allerdings: Heute funktioniert das nicht mehr!

Und dann lernst Du, loszulassen

Die Muskeln, die Du bei Unruhe und Stress anspannst, sind vom häufigen Halten fest geworden. Sie wissen einfach nicht mehr, wie loslassen geht! Ich arbeite mit all diesen Muskeln, die automatisch in einer Deiner Stress-Situationen anspannen. Sie dürfen lernen, wieder zu entspannen. Am Anfang ist das aufregend, denn der Körper denkt, es könnte etwas passieren, wenn er loslässt. Mit jedem Millimeter loslassen erschrickt er: „Und, passiert jetzt etwas Schlimmes?“ und merkt dann regelrecht erstaunt: „Nein!“ Du kannst bemerken, dass es viel angenehmer wird, wenn Du besser entspannen und tiefer atmen kannst. Deine Körper- und emotionale Energie kann wieder freier fließen. Dann kannst Du auch fühlen, dass die alte Gefahr vorbei ist und Du heute in Sicherheit bist.

Mit jeder Sitzung lernst Du mehr, die Gefühle Sicherheit, Vertrauen und Ruhe mit Deinem Körper herzustellen, anstatt mit Deiner alten Anspannung zu reagieren.

All das erarbeiten wir mit bewusster Wahrnehmung, Beschreibung, Berührung und Deinem Atem.

Du kannst lernen, in dem sicheren Rahmen einer Sitzung, Deine Gefühle wie z.B. Angst, Misstrauen, Unruhe und das Hab-Acht-Gefühl zu erlauben und frei fließen zu lassen und kannst erleben, wie sie sich dann ganz von selbst mithilfe unserer Körperintelligenz in der Tiefe ändern.

So entziehst Du Stück für Stück der Vergangenheit die Macht und kannst Deine Selbstermächtigung und Selbstwirksamkeit in Gang bringen.

Ich biete auch EMDR als kraftvolle Methode an, damit belastende Ereignisse nachhaltig verarbeitet werden können.

Bei diesem Link kannst Du Dir eine EMDR-Beispielsitzung, gekürzt auf 17 Minuten, anschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=jMAcQFAeEZw